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Auslandspraktikum als Azubi

Praktikumsbericht der Auszubildenden zur Kauffrau im Einzelhandel Pia Niestegge

Die Vredenerin Pia Niestegge macht zur Zeit eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel im Schreibwarenfachgeschäft Gescher am Markt in Vreden. Pia ist auf der Vredener Wirtschaftsschau am nächsten Wochenende nicht dabei – sie hat was Besseres vor: Pia nimmt die Gelegenheit eines 1-monatigen Auslandspraktikums wahr, das von der Berufsschule mit unterstützt wird.

In Dublin hat Pia eine Stelle in einem Schreibwarenfachgeschäft bekommen, lebt dort bei einer Gastfamilie und schreibt uns fleißig, wie es in Irland so zugeht. Ihre Berichte werden wir hier veröffentlichen.

Hier ihre ersten Eindrücke: Meine Vorfreude begann schon beim Fliegen, schließlich bin im Alter von 10 Jahren zuletzt geflogen.  11.00 Uhr war die Ankunftszeit. Wir wurden von der Vermittleragentur begrüßt und erhielten erst einmal ein paar Infos über Irland.

Nach einer kurzen Busfahrt vom Flughafen nach Dublin warteten schon unsere Gastfamilien an einem Sammelplatz. Zusammen mit Thurkaa, einem anderen Vredener Mädchen, wurde ich freundlich von Gastmama Marie empfangen, die uns zu unserem neuen Zuhause etwas außerhalb von Dublin (Shankill) fuhr, wo uns Gastpapa Sammy begrüßte.

Erst einmal Staunen: Wir wohnen direkt am Meer!! Abends schlafe ich bei Meeresrauschen ein. Toll!

Am ersten Abend haben Thurkaa und ich uns mit Felix, einem Schulfreund von Thurkaa getroffen, und wir haben das Nachtleben erkundet (naja, wir haben den Pub besucht, der zwischen unseren Häusern liegt).

Am nächsten Tag sind wir nach dem Frühstück mit der ganzen Deutschen Gruppe (15 Auszubildende) nach Dublin-City gefahren, wo wir eine Sightseeing-Tour erhielten. Besonders beeindruckend fand ich im ersten Moment die Gebäude, aber auch die Stadt ist wirklich aufregend.

Den Nachmittag konnten wir dann selbst gestalten, und Thurkaa, Felix und ich entschieden uns, nach Howth zu fahren. Das ist ein Fischerort und ein beliebtes Ausflugsziel. Hier konnten wir einen direkten Blick auf die kleine Insel Ireland’s Eye werden.

Ab morgen bekommen wir eine sprachliche und interkulturelle Vorbereitung von der Agentur.

Tag 3:

Heute hatten wir das erste Mal Schule. Dort haben wir einen kleinen Test gemacht und spielerisch mit Tic-Tac-Toe englische Wörter beschrieben. 3 ½ Stunden lang dauerte der Unterricht, und natürlich gab es Hausaufgaben. Wir müssen uns zu Hause schriftlich und mündlich auf den nächsten Schultag vorbereiten. Hier wird mein Englisch wirklich geschult, Deutsch sprechen – selbst in den Pausen oder bei Privatunterhaltungen – wird „bestraft“, indem sog. Negativpunkte gesammelt werden, bei einer bestimmten Menge müssen wir ein Zusatzreferat auf Englisch halten.

Aber die Zeit hier ist nicht wirklich stressig. Nach der Schule hatten wir noch Zeit, nach Bray ans Meer zu fahren und die Sonne zu genießen. Der Tagesablauf hier ist ziemlich strukturiert. Um 18.00 Uhr gibt es Abendessen, und daher haben wir uns in Bray nicht mehr länger aufgehalten, um rechtzeitig nach Hause zu kommen.

Der vierte Tag begann auch mit Schulunterricht. Wir wurden darauf vorbereitet, uns in unserem Praktikumsbetrieb vorzustellen.

Den Weg dorthin und zurück mussten wir alleine machen. Das war für mich deshalb schwierig, weil ich mich immer noch nicht an die Links-Fahrweise gewöhnt habe. Da fällt die Orientierung ziemlich schwer. Aber dafür konnte ich meiner Gastmutter bereits viel (und schon ein bisschen flüssiger als zu Anfang) berichten, wie der Tag war, was wir in der Schule gemacht haben usw.

Tag 5 war der letzte Schultag.

Wir mussten dieses Mal aktiv rausgehen, um Interviews mit Passanten führen. Das hat Spaß gemacht und ist ähnlich wie Verkaufen. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in Dublin shoppen zu gehen. Bei meinem Praktikum werde ich ebenso mit Büroartikeln und Schreibwaren arbeiten.

Der sechste Tag war mein erster Arbeitstag. Ich wurde herzlich begrüßt von den neuen Kollegen. Barry ist das „Mädchen für alles“: er liefert aus, arbeitet am Webshop und unterweist Lehrlinge und Praktikanten. Er hat mich direkt mitgenommen zu einer Auslieferungsfahrt.

Brendan, mein Chef, hat mich in die EDV eingewiesen, aber trotzdem gehört zur Praktikumsausbildung auch die sprachliche Schulung. So musste ich einen Aufsatz über den ersten Arbeitstag schreiben, den Brendan korrigiert und mich noch einmal hat schreiben lassen (naja, die Fehler habe ich natürlich nicht wiederholt ;-))

Die nächsten zwei Tage konnten wir damit verbringen, die Gegend weiter zu erkunden und „uns in Pubs rumzutreiben“ – das ist hier wirklich gemütlich, teilweise wird Live-Musik gespielt, alle sind hier freundlich, teilweise versuchen auch die Leute, sich auf Deutsch mit uns zu unterhalten. Und das Bier schmeckt mir gut. Es ist ziemlich cool hier. Aber der Ernst des Lebens geht natürlich weiter.

Und so musste ich am neunten Tag wieder um 9.00 Uhr bei der Arbeit sein. Vivian ist bei uns derjenige, der insbesondere die Bestellungen abarbeitet, Lieferungen kontrolliert und für Barrys Online-Arbeit alles zur Verfügung stellt.

Das habe ich mit ihm zusammen gemacht. Ich durfte aber einer neuen Praktikantin bereits zeigen, wie die Webseite funktioniert und sie in die Warenkontrolle einführen.

Obwohl ich erst seit drei Wochen hier bin, bin ich schon ganz im Firmengefüge aufgenommen. Ich

habe feste Aufgaben und einen sehr strukturierten Tagesablauf.

Morgens bei Arbeitsbeginn starte ich in der Regel damit, mit Kira und Vivian die Bestellungen der Kunden zu sichten und die Ware zusammenzupacken und zu sortieren.  Anschließend nimmt Barry uns mit, die Lieferungen zu den Kunden zu bringen. Das hat am Arbeitstag immer Vor-

rang. Anschließend geht es weiter mit Warenpflege, Kalkulation und Preisvergleich und Datenerfassung für den Online-Auftritt.

Ganz wichtig ist für unsere Firma Office Supplies Ireland die laufende E-Mail-Werbung. Wir erfassen beinahe täglich sehr viele neue E-Mail-Adressen, die im System eingepflegt werden, die Werbemails werden vorbereitet und an die Mail-Adressen verschickt. Parallel machen wir Katalog-Werbung, dafür packen wir einen Haufen Briefe / Kataloge ein und machen die Auslieferung bzw. Zustellung dieser Werbung persönlich.

Während meiner ganzen Arbeit muss ich weiterhin Tagebuch führen, um auch meine schriftlichen Englisch-Kenntnisse zu üben. Brendan prüft immer meine Einträge, korrigiert sie und lässt  mich  alles  noch  einmal schreiben. Das hört sich zunächst seltsam an, aber so mache ich immer weniger Fehler im Laufe der Zeit.

Die freie Zeit nutzen wir Praktikanten dazu, uns Dublin anzusehen, shoppen zu gehen, Stadtführungen zu machen und auch in verschiedene Museen zu gehen. Und natürlich genießen wir die Zeit am Strand. Es ist toll.                      

Langsam aber sicher kommt das Ende des Praktikums. An meinem letzten Arbeitstag haben mir Brendan und die Kollegen ein schönes Geschenk gemacht. Ich hatte schon mittags um 12.00 Uhr Feierabend, und ich konnte dann schon beginnen, meinen Koffer zu packen.

Am Abend sind wir Praktikanten noch zusammen zum Strand gefahren, um die letzten Sonnenstrahlen und den letzten Abend zu genießen.

Früh am Morgen um 3.30 Uhr trafen wir uns an einer Sammelstelle, um zum Flughafen zu fahren.

Seit dem letzten Samstag bin ich schon wieder in Vreden und seit zwei Tagen bereits zurück in meinem Ausbildungsbetrieb. Ich kann nur sagen: Der Aufenthalt in Dublin und die Arbeit in einem anderen Land war für mich eine große Bereicherung, und ich kann so etwas jedem Auszubildenden empfehlen. Fremde Länder und Menschen auf so eine Art kennenzulernen ist viel intensiver, als wenn man nur im Urlaub irgendwo hinfährt. Ich habe viel gelernt. Auszubildende, die sich für ein Auslands-Praktikum interessieren, sollten sich mit ihren Ausbildern in Verbindung setzen. Unterstützt werden solche Auslandsaufenthalte auch von den Berufsschulen sowie von der IHK bzw. Handwerkskammer.